Korrekturlesen: Den verflixten Fehlern auf die Schliche kommen

Wie in diesem Artikel bereits von mir angekündigt, möchte ich Ihnen heute ein paar Tipps zum Korrekturlesen der eigenen Texte geben. Denn wie es ja leider so ist: Die eigenen Fehler verstecken sich vor dem prüfenden Auge. Kennen Sie das auch? Sie haben den Text mehrfach gelesen und das Gefühl, ihn schon fast auswendig zu kennen. Trotzdem haben Sie diese statt diesen, dass anstelle von das oder Weg statt weg geschrieben. Deshalb scheint das Vier-Augen-Prinzip grundsätzlich die sinnvollste Lösung zu sein, doch das ist nicht immer für jeden realisierbar. Deshalb müssen Sie Ihre Augen und Ihr Gehirn austricksen, damit sie Ihre Fehler wieder erkennen. Das funktioniert folgendermaßen:

1. Korrekturlesen in mehreren Schritten

Versuchen Sie nicht alle Fehler gleichzeitig zu finden. Das wird sowieso nicht klappen. Effektiver ist es, wenn Sie mehrere Durchgänge planen und sich bei jedem Mal auf eine gezielte Fehlerquelle konzentrieren.

  • Ist der Aufbau inhaltlich logisch?
  • Stimmen Satzbau und Grammatik?
  • Gibt es Fehler in der Rechtschreibung und Zeichensetzung?

Wenn Sie den Fokus jedes Mal auf nur eine dieser Fragen legen, müssen Sie es zulassen, die anderen Fehler, die Ihnen vielleicht doch auffallen, zu ignorieren. Das ist nicht immer einfach, doch wenn Sie Ihr Gehirn erst darauf getrimmt haben, ist es äußerst effektiv.

2. Lesen Sie den Text laut

Wenn Sie den Text nur in Ihrem Kopf hören, ist es schwierig, gerade stilistische Fehler zu finden. Erst beim lauten Vorlesen stolpern Sie über schwierige Formulierungen oder falsche Endungen. Sie können den Text dann nicht flüssig lesen. Ihr Gehirn sagt Ihnen ganz automatisch: „Stopp, da stimmt etwas nicht.“

3. Verfremden Sie den Text

Wie eingangs beschrieben kennen Sie Ihren Text nach mehrfachem Lesen so gut, dass Sie ihn tatsächlich komplett oder zumindest stellenweise auswendig kennen. Das macht das Auffinden der letzten Fehler allerdings so gut wie unmöglich. Denn Ihr Gehirn weiß ja, wie es aussehen soll.
Deshalb sollten Sie Ihrem Gehirn vorspielen, dass es sich um einen anderen Text handelt. Und das ist gar nicht schwer. Folgende Veränderungen sind mit wenigen Klicks getan:

  • Verändern Sie die Schriftgröße
  • Lassen Sie den Text in einer anderen Schriftart darstellen
  • Wählen Sie eine andere Farbe aus

Bei der Veränderung der Farbe sollten Sie auf einen augenfreundlichen Farbton achten. Der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund muss groß genug sein. Ansonsten wird das Lesen so anstrengend, dass Ihnen definitiv keine Fehler mehr auffallen.

4. Drucken Sie den Text aus

Auch wenn Sie grundsätzlich Papier sparen möchten, ist es dennoch sinnvoll, den geschriebenen Text auszudrucken. Diese Methode sollten Sie für den letzten Korrekturdurchgang nutzen, wenn Satzbau und Formulierungen bereits überarbeitet sind. Das Auge wird, wenn es von Papier liest, im Vergleich zum Bildschirm weniger stark angestrengt. Dadurch werden zusätzliche Kapazitäten frei, um Fehler zu entdecken. Außerdem wirkt auch die ausgedruckte Form nochmal zusätzlich als eine Art der Verfremdung.

5. Den Text sacken lassen

Etwas Abstand zum Text hilft ebenfalls, letzte Korrekturen vornehmen zu können. Je nachdem wie umfangreich der Text ist und wann Sie ihn abliefern möchten, können Sie die Pause vom Text natürlich variieren. Mir hilft es bei längeren Texten häufig, eine Nacht drüber zu schlafen. Doch wenn es schneller gehen muss, trägt auch die Kaffeepause zum gewünschten Erfolg bei.

Fazit

Natürlich ist ein Tippfehler kein Weltuntergang. Beim Schreiben schleichen sich aus Flüchtigkeit, durch fehlende Konzentration oder als Ergebnis von Umformulierungen Fehler ein. Wenn Sie das Geschriebene allerdings im beruflichen Kontext benötigen, sollten sich nicht allzu viele Fehler einschleichen. Das wirkt unprofessionell.
Versuchen Sie bei Ihren nächsten Texten, die vorgeschlagenen Tipps umzusetzen. Mir helfen sie sogar dabei, den Rohtext flüssiger zu schreiben. Ich weiß dadurch, dass nicht gleich jede Formulierung sitzen muss und kann die Perfektionistin in mir damit beruhigen.