In diesem zweiten Teil meiner Blogreihe: Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf unsere Gesellschaft?, beschäftige ich mich mit dem Thema Begrüßung.

Die notwendigen aber erheblichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die rasante Verbreitung des Coronavirus verändern Selbstverständlichkeiten, wie die Begrüßung eines anderen Menschen. Natürlich dürfen wir Menschen noch begrüßen, aber nicht mehr in der gewohnten Form. Dabei gehört sowohl in beruflichen als auch in privaten Situationen eine „anständige“ Begrüßung zum guten Ton. Von klein auf haben wir gelernt, dass wir die Hand geben müssen, wenn zum Beispiel Tante und Onkel zu Besuch kommen. „Das gehört sich einfach so“, war die Begründung vieler Eltern. Das ging in Fleisch und Blut über. Im Laufe unseres Lebens entschieden wir dann selbst, wie wir andere Menschen begrüßen, zum Beispiel mit einer Umarmung. Kein Wunder, dass sich die jetzt gerade erzwungene Distanz so falsch anfühlt.

Unterschiedliche Kulturen – unterschiedliche Begrüßungsformen

Ein freundliches „Namaste“ mit leicht gesenktem Kopf und aneinandergelegten Händen erwartet uns in Indien. Auf Hawaii schwingt uns ein lockeres „Shaka“ mit einer zur Faust geballten Hand und abgespreiztem Daumen und kleinem Finger entgegen. Die Verbeugung gehört in Japan zum Begrüßungsritual. Das sind nur einige Beispiele, die die Unterschiede verdeutlichen.

Bei uns in Deutschland gehören der Händedruck, die Umarmung oder ein angedeutetes Küsschen auf die Wange zu den etablierten Begrüßungsformen. Es gibt ganze Abhandlungen darüber, wie fest zum Beispiel ein Händedruck sein sollte und was es über uns aussagt, wenn er es nicht ist. Auch die Art der Umarmung variiert von der kurzen Begrüßung über einen Ausdruck der Freundschaft bis hin zu einer tröstenden Geste.

Wir sehen daran, dass Körperkontakt bei unserer Begrüßung ein zentraler Bestandteil ist. Der Mensch ist ein soziales Wesen und die Haut unser größtes Sinnesorgan. Die Berührung eines anderen Menschen kann zum Beispiel Trost spenden, Anerkennung zeigen oder aufmuntern. Eine Umarmung hat also durchaus positive Effekte auf unsere Gesundheit.

Wird sich unsere Begrüßungskultur verändern?

Das Virus beraubt uns derzeit um einen Teil unserer Kultur, unseres Wohlbefindens und unseres Umgangs miteinander. Und das auf unbestimmte Zeit. Das Virus zeigt uns, dass die Art wie wir im Alltag miteinander umgehen potentiell gefährlich ist. Es zwingt uns zur Distanz zu unseren Mitmenschen.

Aktuell haben sich unsere Begrüßungsformen bereits verändert – gezwungenermaßen. Noch fühlt es sich falsch an, aus 1,5 Metern Abstand einem Bekannten zuzuwinken, obwohl es natürlich aus gesundheitlicher Sicht richtig und wichtig ist.

  • Aber wann wird sich die Wahrnehmung verändern?
  • Wie viel Zeit muss vergehen, bis sich eine Begrüßung aus Distanz für uns normal anfühlt?
  • Werden wir „weniger gefährliche“ Begrüßungsformen aus anderen Kulturen langfristig übernehmen?
  • Oder sind der Händedruck oder die Umarmung so fest in uns verankert, dass wir zu jedem Zeitpunkt problemlos zur alten Normalität zurückkehren können?

Das sind spannende Fragen, auf die ich leider keine Antworten habe – noch nicht. Aber ich weiß, dass ich sie erhalten werde. Die Zeit wird es zeigen. Wie ich dann damit umgehe? Keine Ahnung!

Fazit

Der Händedruck, das angedeutete Küsschen oder die Umarmung: Alle unsere bisherigen Begrüßungsformen basieren auf Berührung. Wir haben das Gefühl, auf diese Weise Nähe zu anderen Menschen herzustellen. Aufgrund des aktuellen Ansteckungsrisikos sind wir gezwungen, darauf zu verzichten. Um weiterhin mit unseren Mitmenschen in Kontakt zu bleiben, müssen wir andere Wege finden, um Nähe herzustellen – aus der Entfernung.

Respekt zollende Gesten wie die Verbeugung aus Japan könnten eine Alternative darstellen. Wird das auch für uns in Deutschland funktionieren? Ich persönlich mag es meinen Mitmenschen die Hand zu schütteln oder sie zu umarmen und würde das auch zukünftig gerne tun. Wie sehen Sie das? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.