Teil 1: Hamsterkäufe

Aktuell ist das neuartige Coronavirus COVID-19 das Thema, das unseren Alltag massiv bestimmt. Das ist verständlich, weil es eine große und nicht kalkulierbare Bedrohung für unsere Gesundheit darstellt. Ich bin keine Medizinerin und möchte auch keine sein. Deshalb geht es in diesem mehrteiligen Blog nicht um gesundheitliche Aspekte des Virus oder die Verbreitung. Darüber informiert unter anderem das Robert-Koch-Institut regelmäßig. Ich halte mich an die Empfehlungen der Experten und hoffe, dass wir diese Pandemie bald überstanden haben.

Ich bin Soziologin und interessiere mich für die gesellschaftlichen Aspekte, die eine solche Pandemie mit sich bringt. Denn neben dem gesundheitlichen Schaden, den dieses Virus verursacht, bedroht es unser gesellschaftliches Leben und richtet einen massiven Schaden in unserer Gesellschaft an.

Sind Hamsterkäufer Egoisten?

Als erste Bedrohung unseres gesellschaftlichen Miteinanders habe ich die sogenannten Hamsterkäufer identifiziert. Sie kaufen Produkte des täglichen Bedarfs in einer großen Menge, um für den Fall einer Warenverknappung versorgt zu sein.

Wir haben es alle in den letzten Wochen erlebt und erleben es auch jetzt noch. Wir Deutschen scheinen ein besonders großes Bedürfnis nach Toilettenpapier, Nudeln und Mehl zu haben. Jedenfalls sind die Regale in fast jedem Supermarkt leer. Die Medien berichten sogar über tätliche Auseinandersetzungen und Polizeieinsätze beim Kauf von Toilettenpapier. Die Angst davor, zu verhungern oder sich nach dem Toilettengang nicht anständig säubern zu können ist zwar rational betrachtet völlig unbegründet, doch sie führt zu irrationalem Verhalten. Dieses Verhalten führt wiederum dazu, dass einige Menschen tatsächlich ohne Toilettenpapier und Lebensmittel wie Nudeln und Mehl dastehen. Das sind die Menschen, die nur für ihren tatsächlichen Bedarf einkaufen. Die Macht der selbsterfüllenden Prophezeiung ist enorm.

Jeder denkt an sich und seine persönlichen Vorräte, die Mitmenschen werden dabei völlig ausgeblendet. Ich unterstelle der breiten Masse, dass sie das nicht mutwillig tun, sie handeln aus Angst. Doch das ist keine Entschuldigung. Dieses Verhalten ist äußerst bedenklich hinsichtlich unseres gesellschaftlichen Miteinanders. Werte wie Solidarität und Gemeinschaft werden in Krisenzeiten anscheinend als Erstes geopfert – dagegen müssen wir etwas tun.

Das Prinzip der Knappheit

Die meisten Menschen unserer Zeit haben in ihrem bisherigen Leben weder an einer Hungersnot gelitten noch Zeiten miterlebt, in denen Waren rationiert oder Essensmarken ausgegeben wurden. Schuld an diesem Verhalten könnte das Prinzip der Knappheit sein. Dieses wurde von dem Psychologen Steven Worchel näher untersucht. Nach diesem Prinzip wird eine Ware umso interessanter für uns, je weniger davon vorhanden ist. Die Werbung nutzt dieses Prinzip durch Hinweise wie „Limited Edition“ oder „Nur für kurze Zeit“ seit Langem aus.
Nachdem also die ersten Menschen auf die Idee gekommen sind sich unnötig zu bevorraten, wurde die ersten Regale leerer. Dieses für uns ungewohnte Bild ruft den Drang hervor, ebenfalls diese Produkte zu kaufen, bevor es keins mehr gibt. Das ist ein Teufelskreis, der sich stetig verstärkt.

Die Macht der sozialen Medien

Die sozialen Medien tragen ebenfalls ihren Teil zu diesem Dilemma bei. Menschen posten Beiträge in denen sie sich darüber beklagen, dass sie ein bestimmtes Produkt gerade nicht kaufen konnten. Sie berichten von gefühlt kilometerlangen Schlangen an Supermarktkassen. Bilder von leeren Regalen und überfüllten Supermarktparkplätzen beherrschen derzeit Facebook, Instagram und Co. Und wozu führt das? Panik und weitere Hamsterkäufe.

Dass die Regale dadurch ständig leer sind, ist kein Wunder. Der Grund ist aber einzig und allein der, dass das Bestellwesen und die Lieferketten auf solch irrationales Verhalten nicht eingestellt sind. Die Leidtragenden sind am Ende die Menschen, die sich nicht von der Welle haben mitreißen lassen.

Fazit

Es gibt de facto keinen Mangel an Lebensmitteln und Toilettenpapier in Deutschland. Die Warenverknappung ist selbstgemacht. Wir sollten versuchen, uns das vor Augen zu führen und in die Realität zurückkehren. Wenn Sie das nächste Mal das Bedürfnis haben, das letzte Paket Nudeln kaufen zu müssen, obwohl Sie es gerade nicht brauchen: Atmen Sie tief durch und überdenken Ihre Entscheidung.

Wir müssen uns auf unsere Werte besinnen. Solidarität und Gemeinschaft sind wichtig. Wenn jeder nur so viel kauft, wie er benötigt, bekommt niemand Stress. Außerdem sollten wir das Problem nicht noch dadurch verschärfen, indem wir in den sozialen Medien Fotos von leeren Supermarktregalen posten. Dadurch verstärken wir den Teufelskreis, anstatt ihn zu durchbrechen.

Denken Sie an Ihre Mitmenschen und helfen Sie sich gegenseitig. Nur gemeinsam kann unsere Gesellschaft diese Krise möglichst unbeschädigt überstehen.