Ich möchte Sie heute einladen, mich bei einem sprachlichen Experiment zu begleiten. Gemeinsam mit Ihnen möchte ich den Sprachgebrauch revolutionieren. Klingt etwas merkwürdig, oder? Geben Sie mir einen kleinen Moment Zeit, ich werde es Ihnen erklären.

Schriftsprache vs. Umgangssprache

Als Texterin befasse ich mich täglich mit Worten, unterschiedlichen Formulierungen, Redewendungen, Satzbau, zielgruppengerechte Sprache und vieles mehr. Das heißt, ich lese und schreibe viel. Dabei geht es immer um eine grammatikalisch korrekte Ausdrucksweise.
Ich höre aber auch zu. Denn das gesprochene Wort unterscheidet sich enorm von unserer Schriftsprache. In einem Gespräch muss nicht jede Formulierung sitzen. Sätze werden nicht beendet oder die Grammatik passt nicht. Die Umgangssprache ist lockerer als die Textform. Es ist für mich total interessant Menschen zuzuhören. Durch die Art des Ausdrucks erfahre ich viel über sie. Diese Kenntnisse kann ich dann in einem zielgruppengerechten Text unterbringen.

Tierische Beleidigungen

Schimpfwörter sind ein sprachliches Ventil und werden meist in der gesprochenen Sprache verwendet. Wir benutzen sie, um deutlich zu machen, dass uns etwas an der Situation oder einem anderen Menschen nicht passt. Das Schimpfwort unterstreicht neben lauter Sprache und ausdrucksstarker Mimik unseren Ärger. Aber warum müssen eigentlich die Tiere herhalten, wenn wir uns über Menschen ärgern?

Dazu gibt es bestimmt umfangreiche Forschungen. Meine (doch stark vereinfachte) Theorie ist, dass wir Tierarten verunglimpfen, weil wir uns ihnen einerseits überlegen fühlen. Andererseits versuchen wir zu überspielen, dass wir sie eigentlich nicht wirklich verstehen. Wir schreiben ihnen durch Beobachtungen bestimmte menschliche Charaktereigenschaften zu und schon ist das Problem gelöst.
Ich sage nicht, dass jeder Mensch bewusst so empfindet, ich glaube nur, dass die tierischen Beleidigungen daher ihren Ursprung haben. Tierische Metaphern und Redewendungen haben sich über Jahrtausende in unserem Sprachgebrauch etabliert. Vom aalglatten Geschäftsmann bis zur Zimtzicke ist alles dabei.

Aber es geht auch süß

Ich möchte an dieser Stelle nicht unter den Teppich kehren, dass wir durch Tiere ebenfalls Komplimente machen und unsere Zuneigung ausdrücken. Hasi, Mausi, Bärchen und Schmusekatze sind hierfür nur einige Beispiele.

Das Experiment

Ich möchte mit Ihrer Unterstützung eine vegane Sprache etablieren. Wäre es nicht lustig irgendwann mal von sich zu sagen: Ich spreche vegan! Die Blicke der anderen Menschen sind bestimmt unbezahlbar.

Das ist die Aufgabe:
Verwenden Sie einen Monat keine tierischen Schimpfwörter. Ersetzen Sie diese zum Beispiel durch ein Gemüse, das Sie nicht mögen. Da wird es doch sicherlich einiges zur Auswahl geben, oder? Und wenn doch zwischendurch ein Tier dabei ist, entschuldigen Sie sich bei dem Tier.

Klingt das absurd für Sie? Glauben Sie mir, ich muss auch schmunzeln, während ich das schreibe. Aber warum nicht? Ist doch ein lustiges Experiment. Machen Sie mit! Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Erfahrungsberichte.