Das Thema Klimaschutz beschäftigt mich nicht erst seit der Fridays For Future Bewegung. Ich fahre möglichst mit dem Fahrrad und benutze nur selten mein Auto. Ich ernähre mich vegan und achte beim Einkauf auf regionale und saisonale Waren. Natürlich geht da noch sehr viel mehr, aber dies ist mein Beitrag für eine zukunftsfähige Welt.

Ein beeindruckendes Beispiel für Klimaschutz durch technologische Entwicklungen liefert Per Hassel Sørensen, der Entwickler des Podbike Velomobils. Er revolutioniert mit seiner Entwicklung den Individualverkehr.

Ich erfuhr durch Jean-Claude Leclère von dieser Entwicklung. Er ist einer der Menschen, der bereits ein Podbike vorbestellt hat. Da ich das Thema wertvoll und spannend finde, wollte ich mehr darüber erfahren und führte ein Interview.

Herr Leclere, können Sie das Podbike kurz beschreiben? Worum handelt es sich genau?

Das Podbike ist ein Fahrrad mit 4 Rädern und Elektromotor. Der Fahrer bewegt sich also durch Muskelkraft und elektrischer Unterstützung fort. Außerdem besitzt es eine Außenhülle zum Schutz vor Regen, Wind und Kälte.

Wie sind Sie auf das Podbike aufmerksam geworden?

Ich bin im Internet ständig auf der Suche nach Innovationen und neuen Produktideen. Es gibt sehr viele Videos, zum Beispiel auf YouTube über neue Produkte und Prototypen. Das Podbike habe ich schon seit einigen Jahren im Visier und informiere mich regelmäßig über die Weiterentwicklung des Prototyps. Ich habe festgestellt, dass es meine persönlichen Bedürfnisse abbildet.

Welche Fortbewegungsmittel nutzen Sie bisher und wie zufrieden sind Sie damit?

Im Moment nutze ich ein Elektroauto, einen BMW i3. Ich muss, hin und zurück, jeden Tag 54 Kilometer fahren. Es ist ein tolles Auto, aber es nervt mich, dass ich dieses relativ große Fahrzeug alleine nutze. Das ist in meinen Augen Ressourcenverschwendung.

Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens brauche ich für eine Strecke ungefähr eine Stunde. Ich kann in der Zeit nichts anderes tun, als zu fahren, und verschwende damit Zeit.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Podbike zu bestellen?

Ich habe verschiedene Verkehrsmittel getestet. Die öffentlichen Verkehrsmittel haben sehr viele Ausfälle. Ich habe sie sehr lange genutzt. Die Unzuverlässigkeit ärgert mich. Zusätzlich zum Zeitverlust ist es für mich unangenehm, in überfüllten Zügen mit schlechter Lüftung zu sitzen. Die Gefahr, sich bei erkälteten Menschen anzustecken ist sehr groß. Deshalb ist es mir lieber, alleine zu fahren.

Ein weiterer Punkt, der bei mir ebenfalls eine kleine Rolle spielt, ist das Sicherheitsrisiko. Menschenansammlungen sind immer interessant für potentielle Terroristen.

Das Podbike bietet mir die Möglichkeit, in ungefähr derselben Zeit Fahrrad zu fahren und mich zu bewegen. Ich kann damit etwas für meine Gesundheit tun. Außerdem kann ich angenehmere Strecken, wie zum Beispiel das Weserufer wählen, als Schnellstraßen oder überfüllte Straßen mit Stau. Es ist viel schöner und verbessert meine Lebensqualität.

Ein weiterer Aspekt, der dieses Produkt so interessant für mich macht ist, dass es mehreren Megatrends entspricht. Diese machen aus diesem Produkt eine wahre Innovation.

Megatrends, was meinen Sie damit?

Das Zukunftsinstitut hat mehrere Megatrends definiert. Es handelt sich um gesellschaftliche Veränderungen auf lange Sicht. Sie sind keine Mode, sondern betreffen mehrere Jahrzehnte und sind damit von besonderer Bedeutung.

Das Podbike entspricht für mich den Megatrends Urbanisierung, Gesundheit, Digitalisierung, Silver Society und Ökologie. Es spart Platz, fördert die Gesundheit und schon die Umwelt. Und das alles auf sehr hohem technologischen Niveau. Das Podbike ist für mich der Anti-SUV.

Aus diesem Grund sollten übrigens auch Regierungen ihr politisches Handeln überdenken. Anstatt alles reglementieren zu wollen und damit die Innovation zu bremsen, sollten Regierungen solche Projekte wie das Podbike unterstützen und fördern. Vielfalt ist meiner Meinung nach wichtiger als das Durchboxen von Einzellösungen.

Sie waren beim Pre-Launch in Norwegen. Was waren das für Kunden, die ebenfalls da waren, und wie war die Stimmung?

Es waren alles Innovatoren und Sportler, die nach neuen Fortbewegungsmitteln suchen. Die Stimmung war sehr gut. Die Menschen waren technisch versiert und interessanterweise ab etwa 45 Jahren aufwärts. Sie wollen keine klassischen Elektrofahrräder mehr fahren, weil sie damit vom Wetter abhängig sind. Sicherheit spielt auch eine Rolle. Das Podbike bietet mehr Sicherheit durch eine äußere Schale mit Sicherheitsvorrichtungen im Inneren.

Es gab auch Leute, die eine leichte Behinderung hatten und auch ältere Menschen, so 70 – 80-jährige, die nicht mehr so gut zu Fuß waren. Das Podbike ermöglicht also auch Menschen, mit kleineren körperlichen Beeinträchtigungen wieder Fahrrad zu fahren. Das finde ich große klasse. Das ist eine Demokratisierung des Sports.

Und nun kommt die spannende Frage: Wann erhalten Sie Ihr Podbike?

Die Auslieferung ist derzeit im 4. Quartal 2020 geplant. Es ist total spannend zu beobachten, wie das Produkt weiterentwickelt wird. Es ist eine Innovation und das ist kein einfacher Prozess. Es gibt derzeit noch einige technische Probleme, die in dieser Entwicklungsphase völlig normal sind, aber noch ausgemerzt werden müssen.

Ich vermute, es ist realistischer mit Anfang 2021 zu rechnen, aber das ist meine persönliche Meinung. Innovationen, die eine große Reichweite haben, dauern meistens länger, als man ursprünglich geplant hatte. Aus meiner beruflichen Perspektive betrachtet, hätte man früher auf dem Markt sein können, wenn man dieses Projekt etwas agiler gestaltet hätte. Aber das ist okay. Wie gesagt, ich finde es großartig, dass es sich auf diese Weise entwickelt.

 

Ich danke Herrn Leclère und freue mich, dass ich dieses Interview führen durfte. Wir sollten also gespannt beobachten, wann wir den ersten Podbikes im Straßenverkehr begegnen.